10-Züge-Challenge

Nach Ende der Freibadsaison, also bereits Wochen vor dem 2. Lockdown, rief Meldorf Seals Trainerin Sarah Bauer ihr Team zur „10-Züge-Challenge“ auf: Mindestens 10 Züge, mindestens einmal wöchentlich und zwar im Freiwasser, den ganzen Winter hindurch. Neo kann, muss aber nicht.

Nachdem die Schwimmbäder aufgrund von Corona bereits seit Anfang November schließen mussten, erwies sich diese Idee als praktikable Lösung für einige der schwimmverrückten Meldorfer  Wasserballer*innen.

Im Speicherkoog waren sie seitdem schon einige Male in der Nordsee, hatten dort sogar kleine Tore aufgebaut und Wasserball gespielt. Dann gings bei stürmischem Wetter in die Fluten vor St. Peter Ording.  Als Nächstes stand ein Fluss auf dem Plan:

Die Eider, Badeplatz Schwienhusen, Anleger der „Bargener Fähr“

Schönstes Herbst-Sonnenwetter, ein frischer Wind weht, Luft 10°, Wasser 8°C. Dick in Mäntel und Schals eingemummelt, werden Beobachtern bereits die Finger klamm und die Zehen kalt, während Sarah Bauer und Susan Tharra mit einer kurzen Aufwärmgymnastik beginnen.

Ein Junge steht auf dem Steg, hat seine Angel ausgeworfen und wartet darauf, dass die Fische beißen. Als ihm beim Anblick der beiden Frauen in den leuchtend orangenen Badeanzügen (genauer: Wasserballanzüge) aufgeht, was sie vorhaben, entfährt ihm: „Aber das ist doch viel zu kalt“. Das fragt sich Sarah, zu Susan gewandt, mittlerweile auch: „Sollen wir da wirklich rein?“ Sollen sie! Susan hat bereits Kappe, Schwimmbrille und Pulsuhr angelegt, dazu Schwimmflossen und Hand Paddles.
Derweil bläst Hubert Thoma eine rote Leuchtboje auf, die er sich um die Mitte bindet, bevor er ins Wasser geht. Nein, keine Schwimmhilfe, sondern um etwaig vorbeifahrende Schiffe rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, dass da wer schwimmt.

Ohne Zögern gehen alle drei ins Wasser und machen sich auf den Weg von Dithmarschen rüber zum Anleger in Bargen und zurück. Während Sarah und Hubert ruhig hinüberschwimmen, schaltet Susan ein wenig in den Wettkampfmodus und legt die Strecke gleich 2x zurück, schafft so insgesamt 483m.
Freudestrahlend und begeistert: „Das war ja irre“ rufend, waten sie an Land. „Geht gut“, so Hubert Thoma, „ist gar nicht so kalt“. „OK, zum Schluss spürt man weder Hände noch Füsse“ meint Sarah dazu.

SAMSUNG CSC

In einem Artikel von Martin Tschepe, Vizeweltmeister im Winterschwimmen in der „swim“ vom 19.11.20*, heisst es:

„Sobald die Temperaturen im einstelligen Bereich seien gelte für Einsteiger diese Faustregel: eine Minute pro Grad Wassertemperatur. Und, ganz wichtig: immer auf seinen Körper hören, auch wer mit Neo schwimmt sollte es nicht übertreiben.Wenn möglich lieber täglich kurz ins Wasser gehen als einmal pro Woche länger schwimmen

Das deckt sich mit den Erfahrungen der Seals-Eisbader*innen, von denen jetzt, neben Susan Tharra, Sarah Bauer und Hubert Thoma, nun auch Nina Heesch und Timo Schütt in das individuelle Eisbade-Training mit eingestiegen sind.